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Gedanken zu (digitalen) Produkten

Es wurde rauf und runter gepostet: Den US-Bloggern geht der Nachwuchs aus. Der Anteil der Onliner unter den Teenagers, die ihr eigenes Blog betreiben, ist auf die Hälfte gesunken:

14% of online teens now say they blog, down from 28% of teen internet users in 2006.

http://pewinternet.org/Reports/2010/Social-Media-and-Young-Adults.aspx?r=1

Basicthinking hat dazu etwas Feines geschrieben:

Die Ergebnisse der beiden Studien lassen den Schluss zu, dass das Bedürfnis der Jugendlichen Content zu konsumieren größer ist, als selbst welchen zu erstellen.

Und wundert man sich jetzt noch, warum Apple den iPad vorgestellt hat, ein Gerät zum Konsumieren mehr als zum Produzieren? Aber ich schweife ab.

Ergänzend dazu muss man sich nämlich, finde ich, einen Teil der Studie anschauen, der untersucht, wie viel Zeit die Teenager und Twens mit Skype und anderen Instant Messaging-Diensten verbringen.

73% of wired American teens now use social networking websites, a significant increase from previous surveys. Just over half of online teens (55%) used social networking sites in November 2006 and 65% did so in February 2008.

Außerdem nehmen auch junge Erwachsene immer mehr von ihrem zukünftigen Arbeitgeber an, dass er sie Facebook nutzen lassen wird. (http://www.readwriteweb.com/archives/how_millenials_use_tech_at_work.php)

In fact, 10 percent of respondents said supervisors used SMS and chat to communicate with them, and 20 percent more said they wished their bosses would use these media more.

Warum ist Bloggen so unwichtig geworden?

Teenager (und wohl auch Twens) reden miteinander, sie reden nicht zu uns Ü30. Sie dozieren nicht, sie organisieren – Events occur in real time. Das Leben kommt nicht pre-packaged, eine Blogeintrag nach dem anderen, sondern es wird gelebt. Man tauscht sich aus, online, mobil – ob per SMS, Status-Update oder kurzem Anruf. Warten war gestern, Dinge wollen erledigt werden.

Natürlich ist damit genau die Hektik verbunden, die Frank Schirrmacher in seinem streckenweise brillanten Buch “Payback” skizziert. Wir können uns nicht mehr konzentrieren. Und die Generation nach uns will sich gar nicht mehr konzentrieren, sie will nur noch machen, erledigen, abhaken.

Alle, die über 30 sind, haben Probleme, das zu verstehen: http://www.buchreport.de/blog.htm?p=231#more-231

Ich glaube, deshalb habe ich auch so lange für diesen Post gebraucht. Digitale Vordenker haben schon den Sprung zu schnelleren Plattformen als Blogs geschafft, etwa Posterous, eine Mischung aus Blogging und Microblogging. Nennen wir es halt Miniblogging.

Dies ist ein weiterer Schritt weg vom Web, das auf Seiten basiert, und das wir Über-30-Jährige kennen. Und zwar bewegen wir uns auf eine Zeit zu, in der das Web die gleichen Ausdrucksformen zulässt wie das Gespräch von Mensch zu Mensch – das geht per Brief, Mail, Chat und natürlich in

Die Prosa ist tot, der Dialog hat Zukunft. Erinnert sich noch jemand an Cluetrain? Markets are Conversations.

Nachtrag für den Journalismus:
Was heißt das für den Bürgerjournalismus in Blogs, der in den USA zu entstehen schien? Sein Aufstieg ist gebremst , Zeitungen können aufatmen. Solange sie noch Teil der Gespräche sind und diese Gespräche (Was bewegt unsere Stadt?) noch organisieren helfen. Die Community ist da, sie will aber umhegt werden. Ein Leser/User nacheinander.

Vorbemerkung: Vielen Dank für die zahlreichen Reaktionen zu meinem Post “Warum Journalisten…”, der natürlich in zugespitzter Form meine Ängste um den Journalismus und die Menschen, die damit ihr Geld verdienen, ausdrückten. Natürlich will ich niemandem den Job vermiesen oder gar ihn gar gefährden. Doch ich glaube, dass es Teilbereiche im Journalismus in Deutschland gibt, die sich Sorgen machen müssen, auch in 10 Jahren noch zu existieren. Aus dieser grundlegenden Sorge kommen auch meine Gedanken zum Thema. Ganz subjektiv, ganz angreifbar.

Das hat sich auch bei den Kommentaren gezeigt. Einige Leser fanden einen Berufsstand gut getroffen, andere fühlten sich in ihrer Ehre gekränkt. Beides ist ok, schlimmer wäre doch, wenn niemand mich lesen würde.

Ab sofort werde ich Kommentare schneller freischalten und noch mehr Sorgfalt in meine Twitteraccounts stecken, um bei der Diskussion am Ball bleiben zu können.

Überschrift
Ja, natürlich habe ich das “aufgehottet”, aber das machen ja alle so.

Faule Tageszeitungsjournalisten
Die meisten Kollegen, die ich bei Tageszeitungen kenne und erlebt habe, arbeiten viel. Gerade im Lokalen ist nach oft vielen Sparrunden das Arbeitspensum hoch, weil der eigene Anspruch an sich selbst so hoch ist. Da werden zig Termine pro Woche wahrgenommen, drüber geschrieben, Hintergrundgespräche geführt, Arbeitspläne koordiniert, Fotos geschossen, manchmal sogar Videos, freie Mitarbeiter eingesetzt, redigiert, tolle Geschichten erzählt. Kurz, der lokale Tageszeitungsjournalismus ist das pralle Leben. Oder er könnte es sein. Wir kennen alle lieblose Lokalteile, die zwar mit hohem Stundenaufwand, aber wenig Mehrwert für den Leser zusammengestellt werden. Das Spektrum ist einfach sehr groß. Manchmal genügen ein paar Kilometer Abstand, und man bekommt schon einen guten Lokalteil anstatt des eigenen schlechten.

Und natürlich gibt es auch gute Mantelteile, z.B. den der Süddeutschen Zeitung und FAZ, um nur zwei zu nennen.

Bloggende Journalisten
Das Beispiel Kai Diekmann war vielleicht schlecht gewählt, weil viele die Medieninhalte, die in seinem Hause produziert werden, nicht mögen. Die Bildzeitung hat schließlich vollkommen zu Recht eine eigene Armada von Kritikern, die ihre Fehler vorbildlich aufarbeiten (Hallo bildblog.de, danke für den Link übrigens). Aber es gibt auch andere:

Als die The Huffington Post (http://www.huffingtonpost.com/) von Arianna Huffington 2005 gestartet (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Huffington_Post) wurde, habe ich nicht an den Erfolg geglaubt – noch ein Mega-Blog? Aber aus dem US-Diskurs ist diese Stimme sicher nicht mehr wegzudenken.

Außerdem Gawker.com, vom Ex-Financial-Times-Journalisten Nick Denton (http://en.wikipedia.org/wiki/Nick_Denton) gestartet, oder Mashable, das Outlet des Brad Pitts der Blogwelt (http://gawker.com/5441769/aol-lusts-for-the-brad-pitt-of-the-blogosphere-and-his-company) sind riesige Blogs mit Millionenleserschaft.

In Deutschland wird die Liste schon dünner, natürlich auch weil es weniger Bloguser gibt. Bildblog.de, stefan-niggemeier.de und das spannendste Projekt: heddesheimblog.de (http://heddesheimblog.de/). Dass Hardy Prothmann ein gestandener und wortgewaltiger Journalist der alten Schule ist, wird niemand bestreiten, der ihn mal live erlebt hat. Hyperlocal News, da, wo kein anderes lokales Medium mehr wirklich berichtet. Gerade auch, weil er auf der Grenze zwischen Politik und Journalismus wandelt – er gibt keine einfachen Antworten.

“Wir dürfen nicht bloggen”
Neben dem Job ein Blog zu führen, ist für viele Journalisten nicht durchzuführen, war ein Hinweis – der Verleger würde es nicht erlauben. Ich selbst musste 2005 ein Blog einstellen, weil mich der Arbeitgeber dazu zwang. Das ist noch was, was mich rasend macht an der Untätigkeit deutscher Kollegen angesichts der digitalen Revolution, die ganze Generationen heute von Tageszeitungen und Printmedien entwöhnt. Wieso sollen die Verleger die Antwort für die Zukunft haben? Sie versuchen, ihre Cash Cow Tageszeitung zu beschützen. Und Bestehendes konservieren war noch nie eine besonders aggressive Strategie. Also: Machen, und dann zerknirscht für den Erfolg entschuldigen. Wieso muss in Deutschland eigentlich immer um Erlaubnis gefragt werden? Die Twitter-Aktivitäten wurden doch auch nicht immer

Einfach in der Freizeit mal machen. Wichtig natürlich: Dem Arbeitgeber keine Handhabe für rechtliche Schritte geben. Und wenn es diese Klausel im Vertrag tatsächlich gibt, dann die Finger davon lassen.

Vielleicht ist die Zukunft des Journalismus eine freiberufliche. Denn freie Journalisten müssen an die Verwertbarkeit ihrer Arbeit noch mehr denken als festangestellte. Sie sind es gewöhnt, ihre Arbeit ständig zu überprüfen, ob sie so genug Gewinn erwirtschaften. Nicht jeder Journalist ist ein Unternehmer? Mag sein, aber viele sind gezwungen, selbstständig zu arbeiten. Mit einem Abrechnungsaufwand, für den man schon einen Steuerberater braucht.

Die journalistische Aufgabe ist mehr als Schreiben
Natürlich glaube ich daran, dass Journalismus eine Aufgabe für die Gesellschaft zu erfüllen hat. Nur habe ich eben das Gefühl (und leider ist es eben nicht viel mehr als ein diffuses Gefühl)

Schreiben ist natürlich nicht das Wesen des Journalismus, aber es ist eine der Tätigkeiten an diesem Beruf, die vielen Kollegen der Zunft Spaß macht. Und Dokumentieren, Präsentieren und Formulieren sind eindeutig ganz wichtige Eckpfeiler der journalistischen Tätigkeit. Wir sind aufgerufen, unsere Ergebnisse nicht im stillen Kämmerlein aufzubewahren, sondern zu publizieren. Das ist die Pflicht von Journalisten.

Es gibt auch noch die ganze hehre Begriffsdefinition von Aufklärung und vierte Gewalt (http://de.wikipedia.org/wiki/Journalismus). Aber wie oft kommt man schon in den Bereich, wo es um die Verteidigung der Demokratie als Journalist geht? Sehr selten. Die Präsentation von Geschichten, Fakten – das ist Kernaufgabe. Und mittlerweile gehört auch die Präsentation in anderen Gefäßen, wie Facebook und Twitter, meiner Meinung nach dazu. Aber das ist Stoff für einen anderen Post. Oder für eine Dissertation.

Vorbemerkung: Ich bin ein Grenzgänger. Ich habe den Journalismus (aktiv recherchieren, schreiben, redigieren) verlassen, um den Journalismus zu verbessern. Bei dem Frauenportal fem.com arbeite ich als Produktmanager – um mehr Menschen, die man früher einmal Leser genannt hat, für die Erzeugnisse unserer Redaktion zu begeistern. Früher hat so etwas das (Verlags-)Marketing gemacht. Zumindest in der Welt, aus der ich komme – der Welt der Tageszeitungen.

Man sieht übrigens daran, dass ich immer noch meine Blogposts in Word 2007 schreibe, wie hoffnungslos altmodisch ich bin.

Screenshot des Textentwurfs für diesen Post

Was machen denn Journalisten eigentlich so den ganzen lieben langen Tag? Was wir aus der Welt der Filme kennen, hat leider viel mehr Glamour als das tatsächliche Handeln. Wer arbeitet schon so wie Bob Woodward und Carl Bernstein in “All the President’s Men”? Mysteriöse Treffen mit Quellen, tief in der Nacht, die auch noch Jahrzehnte lang unentdeckt blieben. Antwort: In Deutschland ist das vielleicht ein halbes Dutzend Redakteure, der bekannteste von ihnen ist Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung. Und der arbeitet unter dem Dach seines eigenen Hauses in Leichlingen, fernab von den hektischen und betriebsamen Newsrooms.

Also – wie läuft der Alltag?
Nehmen wir mal Tageszeitungsjournalisten bei mittelgroßen Regionalzeitungen, die den Mantelteil produzieren. (Das ist der Teil mit den Inhalten zur großen Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Panorama.) Sie schauen sich stundenlang an, was sich in der Welt so tut. Meistens so richtig intensiv ab 11 Uhr morgens. Dann wird mittags diskutiert, was davon wohl wichtig sein könnte. Dann geht man schön gemeinsam zum Mittagessen. Dann wird noch weiter diskutiert, was davon der Aufmacher des nächsten Tages sein könnte. Vielleicht um 16 Uhr wird endlich festgelegt, was man daran kommentieren könnte und wer das machen könnte. Irgendein Redakteur, der sich Producer oder Layouter nennt, stellt die Förmchen bereit, in die dann die Texte eingepflegt werden. Manchmal macht das auch das ganze Team, dann kriegt jeder die Förmchen, die dann mit dem Saft, den die Agenturen produzieren, gefüllt werden. Jede Idee hat genau Platz für 80 Zeilen im Kommentar. Selbst wenn es keine Idee ist oder die Idee nur falsch abgeschrieben von einem Leitmedium. Um Wolf Schneider zu zitieren: An 200 Tagen im Jahr gibt es einfach keinen richtigen Aufmacher, und doch muss die Zeitung mit irgendwas an diesem Tag aufmachen.

Bei großen Tageszeitungen kriegen dann Chefredakteure noch einmal die Anwandlung, mit den Heute-Nachrichten oder der Tagesschau alles über den Haufen zu werfen und neue Texte zu fordern. So wird für viele Redakteure 21 Uhr oder noch später zum eigentlichen Arbeitsende – das läuft auf eine 60-Stunden-Woche hinaus, ohne dass eine Zeitungsausgabe mehr produziert würde.

Es gibt Tage, da schreiben die Redakteure keine einzige Zeile selbst. Höchstens die Überschrift oder eine Bildzeile. Dafür hat man jahrelang um ein Volontariat gekämpft? Dafür hat man sich Wochenenden bei Kaninchenzüchtern und Baggerpräsentationen um die Ohren gehauen? Dafür hat man studiert? Dafür liest man Fachbücher, Sammlungen von Reportagen von der Großen von Kisch bis Carolin Emcke?

Ja, werden einige aufschreien: Aber die Nachrichtenauswahl kann doch auch nicht jeder. Der Mix, der ist wichtig. Aber warum sollen das Redakteure mit einem Tarifgehalt machen? Warum kann man das nicht intelligenten Routinen übergeben? Sprich: Computern und Algorithmen. Einfach mitzählen, wie oft eine Geschichte auf der hauseigenen Webseite angeklickt wurde –das kann ein Indiz für ihre Bedeutung sein. (Es soll ja immer noch Redaktionen geben, in denen Printleute und Onliner kaum miteinander reden können.) Davon könnte es ja noch mehr Signale geben.

Welche Meldungen laufen im Radio? Liebe Kollegen, ihr hört eh mit, dann sagt ihr auch am nächsten Tag, dass ihr durch die lokale Nachrichtensendung oder den offenen Kanal darauf gekommen seid. Und dann gibt es ja auch noch Google News – was da wichtig ist und oben steht, ist auch für euch wichtig. Und dann könnt ihr euch immer noch die ganzen anderen angeblichen Konkurrenten anschauen, wie Spiegel oder Welt online.

Auch die Größe der Platzierung kann man mit anderen Hilfsmitteln erahnen helfen. Wie groß läuft eine Geschichte in der Tagesschau, in den Nachrichten, wie oft wird etwas bei Welt.de kommentiert? Wo bewegt sich das Interesse der Mediennutzer an diesem Tag hin.

Was bleibt dann noch für einen Journalisten zu tun? Seiten bauen? Ein Grafiker baut die Zeitung schneller und besser und billiger zusammen.

Wie wäre es denn mit Schreiben, dieser ureigensten der journalistischen Tätigkeiten? Das Berichten und Erzählen von Geschichten, dafür sollte man Journalisten beschäftigen. Genau deshalb ist es so erhellend, dass Kai Diekmann, Chefredakteur der Bildzeitung, in 2009 mit dem Bloggen angefangen hat. Er ist hervorragend im Gespür für Themen, weiß wie er mit Freund und Feind umzugehen hat, hat ein Händchen für die Gestaltung des Printprodukts, dem er vorsteht. Was ihm dabei abgeht, wie so vielen professionellen Journalisten: das Schreiben. Das, wofür man Journalist geworden ist. Das, womit man für Außenstehende erschreckend wenig Zeit verbringt.

Also: Liebe Kollegen, besinnt euch wieder darauf, was ihr richtig gut und gerne macht. Das Schreiben. Die Verleger lassen euch nicht? Dann lasst die Verleger einen guten Mann sein und macht euer eigenes Ding. Setzt ein eigenes Blog auf. Für 10 Euro Domainregistrierungsgebühr pro Jahr und einen Serveranbieter, der 6 Euro im Monat kostet, geht das. Schreibt auf, was in eurer Nachbarschaft passiert. Was in eurem Hobby gerade passiert und en vogue ist. Findet, was euch bewegt. Sucht die passenden Keywords dazu raus (guter Startpunkt: Googles Keyword-Tool für AdWords-Kunden). Überlegt euch, wie eure Domain heißen könnte. WASMIRWICHTIGIST.de ist ein guter Anfang. Und dann registriert ihr gleich noch eine auf euren Namen, einen Twitter-Account auf den URL-Namen und auf euren und einen Facebook-Account für euch. Die Zukunft hat begonnen, und es hat nicht mal weh getan.

Anmerkungen zu diesem in die Länge geratenen Appell:
Aus Platzgründen habe ich mich für den am meisten dahinsiechenden Teil des Journalismus entschieden, den Journalismus an Tageszeitungen. All das gilt für das gesprochene und gesendete Wort genauso wie für das geschriebene. Der technische Aufwand und die damit verbundene Entfremdung vom Produkt Journalismus ist beim Rundfunk noch viel höher. Vor zehn Jahren etwa hatte man beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer noch einen Cutter oder Tontechniker, der den Beitrag produziert hat. Heute macht das zumindest der freie Journalist immer öfter selbst, mit ähnlichen Tools wie das die guten Podcast-Produzenten tun – im Studio in der eigenen Wohnung oder im Büro, um nicht auf die knappen Produktionsressourcen im Funkhaus zugreifen zu müssen.

Diesen Post haben mehrere Dinge angestoßen:
Jeff Jarvis verdanke ich den Gedanken vom Produkt zum Prozess sowie den Gedanken von der Seite zum Stream, außerdem den starken Drang, jungen Journalisten zur Selbstständigkeit zu raten. http://www.buzzmachine.com/2009/06/07/processjournalism/
http://www.buzzmachine.com/2009/11/01/the-future-of-journalism-is-entrepreneurial/
http://www.buzzmachine.com/2009/08/18/newbiznews-hyperpersonal-news-streams/

Kai Diekmanns Blog verdanke ich die Idee, dass es viel zu viele hoch bezahlte und sehr gut ausgebildete Journalisten gibt, denen das Sprachrohr für ihre Stimme fehlt. Er hat es als Blogger gefunden. Schnoddrig, frech – das passt zur Marke, der er vorsteht und zu ihm als öffentlicher Figur.
http://www.kaidiekmann.de/

Auch eine böse Glosse über das Tun und Werken von Journalisten bei Gawker war wegweisend. http://gawker.com/5437810/the-gawker-guide-to-a-journalism-career-2010-edition

P.S. Wenn ich beizeiten klinge wie Jeff Jarvis, bitte ich die Zuhörer und natürlich den Autor von WWGD höchstselbst um Verzeihung. Plagiarism is just the highest form of flattery.

Was haben Models und Journalisten gemein?

Models bekommen nur dann Aufträge, wenn sie in die Konfektion der Designer hineinpassen. (Sieht man einmal von der löblichen Ausnahme der Brigitte ab, die diese für bald plant. Die FAZ liefert Stoff zum Nachdenken.) Journalisten bekommen nur dann Aufträge, wenn sie in die Budgetpläne ihrer Auftraggeber hineinpassen. (Die meisten Journalisten arbeiten frei für verschiedene Auftraggeber, oft Verlage.)

Warum ist das so? Weil es zu viele Models und zu wenige Aufträge gibt. Der Wettbewerb um die vorhandenen Aufträge führt dazu, dass irgendwer die wahnsinnig kleinen Größen-Anforderungen schon erfüllen wird. Ein 14-jähriges Mädchen wird zur Not neu entdeckt. Bei den regionalen Tageszeitungen ist es so ähnlich. Irgendwer wird die absurd kleinen Honorare schon schlucken. Die guten Journalisten ziehen weiter. Deswegen konzentriert sich die Qualität der Schreiber bei den großen Zeitungen (es sei denn, sie haben Kinder und sind wegen der Familie nicht so mobil), und dort versauert die Qualität – viel zu selten benutzt man sie als Autoren für die Blätter.

Die guten Journalisten sollten die Produktionsmittel in die eigene Hand nehmen. Schaut euch die Beispiele Leo LaPorte, Nick Denton, Arianna Huffington an. Einige davon sind durchaus auf Deutschland übertragbar.

Ausweg: Sie arbeiten in einer Großstadt für den Mantelteil einer Regionalzeitung, aber sie wohlen in der kleinen Kreisstadt nebenan? Machen Sie ein Blog für diese Stadt, in der Sie leben, an der Sie mit Ihrer Familie teilhaben. Und dann verkaufen Sie Anzeigen. Die Nummer mit der Chinesischen Mauer zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung hat noch nie gestimmt. Googeln Sie mal nach den Ideen der CUNY, http://newsinnovation.com/.

Disrupt thyself before your life gets disrupted by someone else.

Den schlechten Journalisten sollte man nicht hinterhertrauern. Das ist wie mit dem Bäcker mit den schlechten Brötchen oder Semmeln – den lässt man auch pleite gehen, ohne dass gleich nach einem Non-Profit-Bäcker geschrien wird.

P.S. Übrigens macht es Thomas Knüwer mit seinem Schritt in die Selbstständigkeit richtig. Auch wenn er gerade viele Brücken abbrennt.

Leo LaPorte erklärt, was sich durch das Internet für Medien verändert hat: Jede Nische ist groß genug im Internet, aber nicht für die alten Medien:

Wie geht das? Das Monopol der alten Verbreitungsmethoden wurde durch das Netz gebrochen. Jede Nische hat genug intelligente Menschen, die sich vielleicht doch für Werbung, die ihnen Neues bietet, interessieren. Sehr inspirierend! Und danach gleich ein Abo für den Podcast “This Week in Google” einrichten, einen seiner mehr als 20 (!) Podcasts.

Die Zeile, die man sich merken sollte: “Advertisers have smoked the crack of Google and Facebook.” (Einmal verwöhnt durch sehr genaues Targeting, hohen CTR und wenig Streuverluste, kommen sie nicht mehr so gern zu Massenmedien zurück. Es sei denn, sie wollen eine Masse erreichen.)

Und: “Podcasting is dead.” (Weil es zu kompliziert ist für den Durchschnittsuser.)

Na, neugierig genug geworden?

Was kostet ein Entwickler am Tag? Vielleicht 300, 350 Euro. Einen Journalisten kriegt man schon für 100. Auch wenn Steve Ballmer ein wenig irre rüberkommt in diesem Video. Es zeigt die richtige Wertschätzung.

Das Problem ist: Die beiden Berufsgruppen können kaum miteinander reden.

Für meinen Job als Produktmanager ist es oft notwendig, einen Entwurf oder mehrere Entwürfe einer neuen Website oder eines neuen Features in einem groben Design abzuliefern – damit sich die Beteiligten an einem Projekt besser vorstellen können, was man damit am Ende anfangen kann.

Dazu bin ich immer offen für neue Tools. Eins der besten, gut kompatibel mit unterschiedlichen Nutzergruppen und Zielgruppen für den Entwurf: Papier und Bleistift (ergänzt um Fineliner). Aber es gibt inzwischen eine ganze Latte von Entwurfssoftware für Wireframes. Was ich davon schon ausprobiert habe? Als Software zum Installieren z.B. Axure. Sehr mächtig, aber leider auch prohibitiv teuer. Noch mal was: Balsamiq Mockups – sehr charmant, aber 79 Dollar ist immer noch zu viel. Wenn es das auch online und damit kostenlos gibt.

Online hat sich in den letzten Monaten eine Menge getan. Hier gibt es eine wahre Flut von Diensten. Ausprobiert: HotGloo, MockFlow, ProtoShare. Ein klarer Favorit hat sich für mich noch herauskristallisiert. Bei den einen ist das Kontingent, das man als Free-User zur Verfügung hat, einfach zu gering, um sich voll darauf einzulassen. Bei anderen reicht die Zahl der Shapes, die man verwenden kann, einfach nicht aus.

Worauf ich hinauswill: Es gibt viel zu viele von diesen Dingern. Die Entwickler sollten sich lieber zusammentun und etwas Großes bauen. Oder sich eine andere Branche suchen. Wie viele UX-Designer und Webentwickler und Produktmanager wie mich gibt es schon? So eine große Branche ist es nicht. Dabei ist aber die Online-Herangehensweise genau die richtige. Schnell einen Account erstellt, und schon geht es mit dem Entwerfen los. Und daher hat eine einfache Installationsversion wie Balsamiq auch keine Chancen – auf Dauer. Bereits 100.000 Dollar hat er damit verdient, und es ist gut, dass er sich mit seinen Integrationen in andere Softwareumgebungen einen USP geschaffen hat. Die Online-Buden können, wenn sie keine andere Idee mehr haben, sich in eins zusammen entwickeln.

Warum? Alles, was Software wird und digital, wird irgendwann als Preis die Grenzkosten erreichen. Das ist die These von Chris Anderson.

There’s never been a more competitive market than the Internet, and every day the marginal cost of digital information comes closer to nothing.

Die Grenzkosten für jeden weiteren User sind minimal, beinahe null. Was soll also das Geschäftsmodell der Anbieter sein? Premium-Dienste, klar.

Über FlairBuilder und MockupScreens kann ich nix sagen. Außer, dass ich Dienste mit Binnen-Großbuchstaben satt habe. Amazon heißt auch nicht AmaZon. Weil das für die Zone steht, wo man einkauft oder so.

17 neue Thesen, was das Internet bedeutet, unterzeichnet von 15 mehr oder weniger bekannten deutschen Publizisten. Wieder mehr Futter für die Medienelite zum Verdauen. Aber auch ein ernsthafter Versuch, der vermaledeiten Hamburger Erklärung etwas Sinnvolles entgegenzusetzen. Das ist das heute veröffentlichte Internet-Manifest. Der Name ist doof. Es geht um die Zukunft des Journalismus, im Wesentlichen. Aber: Die meisten Thesen sind sinnvoll, und es ist gut, dass sich die Stimmen, die unsere Verleger bezahlen, auch mal zu Wort melden.

Und ich unterschreibe sie auch. Warum ich das tue? These für These. Die aus meiner Sicht wichtigsten möchte ich herausgreifen:

1. Das Internet ist anders.

Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

Warum ist das so eine wichtige These? Weil Journalismus heute in der Sackgasse des Befüllens vorhandener Flächen steckt. Ausgerechnet die kreativen Geister, die sich immer noch zuhauf in den Redaktionen finden, scheuen das Experimentieren mit dem Neuen. Stattdessen ergehen sie sich in Zufriedenheit darin, am Abend wieder ein gutes Blatt oder eine gute Sendung gemacht zu haben. Das ist zu wenig. Auch die Onlinekollegen sind kaum besser. Sie schaffen Monat für Monat neue Klickrekorde, indem sie Tabellen auf Bildergalerien ummünzen.

2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.

Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.

Hier werden die Autoren Opfer ihrer eigenen Verwurzelung in den alten Systemen. Sie verpassen die Chance, tatsächlich so zu denken wie die Konsumenten der von ihnen produzierten Medien. Denen ist egal, was Journalismus ist. Der Markt für Journalismus ist massiv geschrumpft. Niemand unter 30 hat eine Zeitung abonniert, mit der sie vielleicht ein paar Minuten verbringen. Aber sie sind sicher bereit, ein paar Euro in ein schönes Spiel auf dem Mobiltelefon zu investieren.

5. Das Internet ist der Sieg der Information.


Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.

Abundance has replaced scarcity. (Um mal Chris Anderson zu paraphrasieren.) Was vorher knapp war (Papier, um Zeitungen zu drucken; Frequenzen, um Rundfunk auszustrahlen), ist heute reichlich vorhanden. Wir haben alle DSL und Flatrates, können jedes Buch bestellen, das wir wollen. Wir müssen uns nicht mehr mit dem engen lokalen Angebot zufrieden geben.

7. Das Netz verlangt Vernetzung.

Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.

Einfach nur Amen.

8. Links lohnen, Zitate zieren.

Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.

Noch mal Amen. Do what you do best, link to the rest. Das ist die Aufforderung von Jeff Jarvis.

Schon nach anderthalb Minuten verrät er, dass er nicht der größte Google-Fan ist.

15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.

Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.

Journalismus muss bereit sein, sich zu korrigieren. Das Produkt ist nicht die Arbeit, sondern der Prozess.

Manchmal, wenn man die Äußerungen deutscher Verlage zum Thema “Inhalteklau” (aufgrund der Natur des Arguments setze ich das lieber mal in Anführungszeichen) liest, möchte man ihnen Nachhilfe geben, wie Google News tatsächlich funktioniert. Das hat jetzt dankenswerterweise Google selbst übernommen. Noch Fragen?

Am Donnerstag kam zu den Formularen bei Google Docs eine weitere Funktion hinzu: Eine Frage kann nun auch wie bei Doodle.com und ähnlichen Diensten verschiedene Antwortmöglichkeiten pro Zeile haben. Die Funktion heißt auf Deutsch Gitter, auf Englisch Grid. Erklären ist mal wieder schwieriger als anschauen, deswegen hier ein Embed davon:

Was ist mir daran besonders aufgefallen? Eigentlich ist Microsoft mit seinen Produkten in einer bemitleidenswerten Position. Alle paar Jahre kommt etwas Neues heraus, mit wahnsinnig vielen Veränderungen, die entdeckt werden müssen/wollen. Wenn ich aber ähnliche Software online herausbringe, kann ich viele Jahre lang jede Woche ein neues Feature herausbringen. Und wenn meine User technisch beschlagene Early Adopter sind, dann kann ich darauf bauen, dass sie diese bereitwillig und neugierig aufnehmen.

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