Was haben Models und Journalisten gemein?

Models bekommen nur dann Aufträge, wenn sie in die Konfektion der Designer hineinpassen. (Sieht man einmal von der löblichen Ausnahme der Brigitte ab, die diese für bald plant. Die FAZ liefert Stoff zum Nachdenken.) Journalisten bekommen nur dann Aufträge, wenn sie in die Budgetpläne ihrer Auftraggeber hineinpassen. (Die meisten Journalisten arbeiten frei für verschiedene Auftraggeber, oft Verlage.)

Warum ist das so? Weil es zu viele Models und zu wenige Aufträge gibt. Der Wettbewerb um die vorhandenen Aufträge führt dazu, dass irgendwer die wahnsinnig kleinen Größen-Anforderungen schon erfüllen wird. Ein 14-jähriges Mädchen wird zur Not neu entdeckt. Bei den regionalen Tageszeitungen ist es so ähnlich. Irgendwer wird die absurd kleinen Honorare schon schlucken. Die guten Journalisten ziehen weiter. Deswegen konzentriert sich die Qualität der Schreiber bei den großen Zeitungen (es sei denn, sie haben Kinder und sind wegen der Familie nicht so mobil), und dort versauert die Qualität – viel zu selten benutzt man sie als Autoren für die Blätter.

Die guten Journalisten sollten die Produktionsmittel in die eigene Hand nehmen. Schaut euch die Beispiele Leo LaPorte, Nick Denton, Arianna Huffington an. Einige davon sind durchaus auf Deutschland übertragbar.

Ausweg: Sie arbeiten in einer Großstadt für den Mantelteil einer Regionalzeitung, aber sie wohlen in der kleinen Kreisstadt nebenan? Machen Sie ein Blog für diese Stadt, in der Sie leben, an der Sie mit Ihrer Familie teilhaben. Und dann verkaufen Sie Anzeigen. Die Nummer mit der Chinesischen Mauer zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung hat noch nie gestimmt. Googeln Sie mal nach den Ideen der CUNY, http://newsinnovation.com/.

Disrupt thyself before your life gets disrupted by someone else.

Den schlechten Journalisten sollte man nicht hinterhertrauern. Das ist wie mit dem Bäcker mit den schlechten Brötchen oder Semmeln – den lässt man auch pleite gehen, ohne dass gleich nach einem Non-Profit-Bäcker geschrien wird.

P.S. Übrigens macht es Thomas Knüwer mit seinem Schritt in die Selbstständigkeit richtig. Auch wenn er gerade viele Brücken abbrennt.