Vorbemerkung: Vielen Dank für die zahlreichen Reaktionen zu meinem Post “Warum Journalisten…”, der natürlich in zugespitzter Form meine Ängste um den Journalismus und die Menschen, die damit ihr Geld verdienen, ausdrückten. Natürlich will ich niemandem den Job vermiesen oder gar ihn gar gefährden. Doch ich glaube, dass es Teilbereiche im Journalismus in Deutschland gibt, die sich Sorgen machen müssen, auch in 10 Jahren noch zu existieren. Aus dieser grundlegenden Sorge kommen auch meine Gedanken zum Thema. Ganz subjektiv, ganz angreifbar.
Das hat sich auch bei den Kommentaren gezeigt. Einige Leser fanden einen Berufsstand gut getroffen, andere fühlten sich in ihrer Ehre gekränkt. Beides ist ok, schlimmer wäre doch, wenn niemand mich lesen würde.
Ab sofort werde ich Kommentare schneller freischalten und noch mehr Sorgfalt in meine Twitteraccounts stecken, um bei der Diskussion am Ball bleiben zu können.
Überschrift
Ja, natürlich habe ich das “aufgehottet”, aber das machen ja alle so.
Faule Tageszeitungsjournalisten
Die meisten Kollegen, die ich bei Tageszeitungen kenne und erlebt habe, arbeiten viel. Gerade im Lokalen ist nach oft vielen Sparrunden das Arbeitspensum hoch, weil der eigene Anspruch an sich selbst so hoch ist. Da werden zig Termine pro Woche wahrgenommen, drüber geschrieben, Hintergrundgespräche geführt, Arbeitspläne koordiniert, Fotos geschossen, manchmal sogar Videos, freie Mitarbeiter eingesetzt, redigiert, tolle Geschichten erzählt. Kurz, der lokale Tageszeitungsjournalismus ist das pralle Leben. Oder er könnte es sein. Wir kennen alle lieblose Lokalteile, die zwar mit hohem Stundenaufwand, aber wenig Mehrwert für den Leser zusammengestellt werden. Das Spektrum ist einfach sehr groß. Manchmal genügen ein paar Kilometer Abstand, und man bekommt schon einen guten Lokalteil anstatt des eigenen schlechten.
Und natürlich gibt es auch gute Mantelteile, z.B. den der Süddeutschen Zeitung und FAZ, um nur zwei zu nennen.
Bloggende Journalisten
Das Beispiel Kai Diekmann war vielleicht schlecht gewählt, weil viele die Medieninhalte, die in seinem Hause produziert werden, nicht mögen. Die Bildzeitung hat schließlich vollkommen zu Recht eine eigene Armada von Kritikern, die ihre Fehler vorbildlich aufarbeiten (Hallo bildblog.de, danke für den Link übrigens). Aber es gibt auch andere:
Als die The Huffington Post (http://www.huffingtonpost.com/) von Arianna Huffington 2005 gestartet (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Huffington_Post) wurde, habe ich nicht an den Erfolg geglaubt – noch ein Mega-Blog? Aber aus dem US-Diskurs ist diese Stimme sicher nicht mehr wegzudenken.
Außerdem Gawker.com, vom Ex-Financial-Times-Journalisten Nick Denton (http://en.wikipedia.org/wiki/Nick_Denton) gestartet, oder Mashable, das Outlet des Brad Pitts der Blogwelt (http://gawker.com/5441769/aol-lusts-for-the-brad-pitt-of-the-blogosphere-and-his-company) sind riesige Blogs mit Millionenleserschaft.
In Deutschland wird die Liste schon dünner, natürlich auch weil es weniger Bloguser gibt. Bildblog.de, stefan-niggemeier.de und das spannendste Projekt: heddesheimblog.de (http://heddesheimblog.de/). Dass Hardy Prothmann ein gestandener und wortgewaltiger Journalist der alten Schule ist, wird niemand bestreiten, der ihn mal live erlebt hat. Hyperlocal News, da, wo kein anderes lokales Medium mehr wirklich berichtet. Gerade auch, weil er auf der Grenze zwischen Politik und Journalismus wandelt – er gibt keine einfachen Antworten.
“Wir dürfen nicht bloggen”
Neben dem Job ein Blog zu führen, ist für viele Journalisten nicht durchzuführen, war ein Hinweis – der Verleger würde es nicht erlauben. Ich selbst musste 2005 ein Blog einstellen, weil mich der Arbeitgeber dazu zwang. Das ist noch was, was mich rasend macht an der Untätigkeit deutscher Kollegen angesichts der digitalen Revolution, die ganze Generationen heute von Tageszeitungen und Printmedien entwöhnt. Wieso sollen die Verleger die Antwort für die Zukunft haben? Sie versuchen, ihre Cash Cow Tageszeitung zu beschützen. Und Bestehendes konservieren war noch nie eine besonders aggressive Strategie. Also: Machen, und dann zerknirscht für den Erfolg entschuldigen. Wieso muss in Deutschland eigentlich immer um Erlaubnis gefragt werden? Die Twitter-Aktivitäten wurden doch auch nicht immer
Einfach in der Freizeit mal machen. Wichtig natürlich: Dem Arbeitgeber keine Handhabe für rechtliche Schritte geben. Und wenn es diese Klausel im Vertrag tatsächlich gibt, dann die Finger davon lassen.
Vielleicht ist die Zukunft des Journalismus eine freiberufliche. Denn freie Journalisten müssen an die Verwertbarkeit ihrer Arbeit noch mehr denken als festangestellte. Sie sind es gewöhnt, ihre Arbeit ständig zu überprüfen, ob sie so genug Gewinn erwirtschaften. Nicht jeder Journalist ist ein Unternehmer? Mag sein, aber viele sind gezwungen, selbstständig zu arbeiten. Mit einem Abrechnungsaufwand, für den man schon einen Steuerberater braucht.
Die journalistische Aufgabe ist mehr als Schreiben
Natürlich glaube ich daran, dass Journalismus eine Aufgabe für die Gesellschaft zu erfüllen hat. Nur habe ich eben das Gefühl (und leider ist es eben nicht viel mehr als ein diffuses Gefühl)
Schreiben ist natürlich nicht das Wesen des Journalismus, aber es ist eine der Tätigkeiten an diesem Beruf, die vielen Kollegen der Zunft Spaß macht. Und Dokumentieren, Präsentieren und Formulieren sind eindeutig ganz wichtige Eckpfeiler der journalistischen Tätigkeit. Wir sind aufgerufen, unsere Ergebnisse nicht im stillen Kämmerlein aufzubewahren, sondern zu publizieren. Das ist die Pflicht von Journalisten.
Es gibt auch noch die ganze hehre Begriffsdefinition von Aufklärung und vierte Gewalt (http://de.wikipedia.org/wiki/Journalismus). Aber wie oft kommt man schon in den Bereich, wo es um die Verteidigung der Demokratie als Journalist geht? Sehr selten. Die Präsentation von Geschichten, Fakten – das ist Kernaufgabe. Und mittlerweile gehört auch die Präsentation in anderen Gefäßen, wie Facebook und Twitter, meiner Meinung nach dazu. Aber das ist Stoff für einen anderen Post. Oder für eine Dissertation.
[...] Krautsource reagiert in diesem Blogpost auf die Reaktionen zu seinem ursprünglichen [...]
[...] beibrechtels: Detlev Brechtel über Lokaljournalismus 2.0 Marian Semm interviewt Hardy Prothmann de.krautsource.com: Manteljournalisten und solche, die arbeiten *Lahrer Bratwurstjournalismus *Franken-Wiki: Bratwurstjournalist *heddesheimblog jetzt auf [...]